Der Frei-Marathon

Meine Frau hat mich in dieser Woche verwundert und das, obwohl diese erst angefangen hat. Montag rollt sie die braune Tonne vors Grundstück und schleppt die Gelben Säcke mit an den Zaun. Dienstag sehe ich sie wieder eine Tonne scheppernd vor der Einfahrt parken – die blaue. Ich bin erstaunt, denn einerseits ist das mein Job und andererseits nur einmal die Woche, am Dienstag. Kurze Grübelei an der roten Ampel auf dem Weg zur Arbeit. Stimmt! Osterwoche. Wow. Ganz vergessen, es ist also eine kurze Woche mit nur vier Arbeitstagen. Ich denke weiter. Montag ist ja dann auch frei, also auch nächste Woche nur 4 Arbeitstage. Ein Blick in den Kalender zeigt mir, dass nun Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam in dichter Abfolge einen waren Frei-Marathon verursachen. Ich bin hocherfreut, endlich Zeit für alles was liegen geblieben ist. Dieser Gedanke währt aber nur kurz. Gleich darauf bin ich ernüchtert: Was wird alles auf Arbeit in dieser Zeit liegen bleiben!

Mal ehrlich: Es gibt zwar einige Jobs, bei denen an Feiertagen eben keine Arbeit anfällt und sich nichts aufstaut – zum Beispiel bei einer Verkäuferin. Der Laden hat geschlossen und gut. Die Arbeit pausiert. Doch wie viele Dienstleistungsunternehmen gibt es, bei denen die Arbeitswelt weiterläuft – auch an Feiertagen und nach Dienstende? Unternehmen, wo es Terminpläne gibt und es gilt, Fristen einzuhalten. Für all diese Menschen ist solch ein Marathon, wie er nun die nächsten fünf Wochen ansteht, eine wahre Herausforderung. Nicht selten bedeutet das Überstunden, keine Zeit zum Mittagessen und für Pausen und enormen Kopfstress.

Die freien Tage, die ich mit meiner Familie zwar genießen werde, sind hart erkauft. Und das bedeutet auch, dass in den Tagen vor diesem Marathon die Nerven blank liegen, weil so viel vorzuarbeiten gilt. Ich entschuldige mich in Gedanken schon jetzt bei meiner Frau, die meine Laune erdulden muss, und setz mich an den Schreibtisch.

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