Ich werde verklagt

Vor zwei Wochen fahre ich mit meinem großen Sohn zur Schule. Vor mir ein Zebrastreifen, ein Auto hält bereits und lässt Schulkinder darüber laufen. Ich bremse und merke wie mein Auto auf der vereisten Straße rutscht. Kurz vor dem anderen Auto bleibt es stehen. Könnt ihr das Gefühl nachvollziehen, wenn das Herz bis zum Hals schlägt und man total erleichtert ist, weil das Auto noch rechtzeitig zum Stoppen kommt?

Plötzlich steigt der Mann aus dem Auto vor mir aus, läuft um sein Auto, zückt sein Handy und fotografiert. Ich schaue erstaunt. Er klopft an meine Scheibe, ob wir Zwei beiseite fahren, um die Modalitäten des Unfalls zu klären. Ich schaue noch erstaunter. Welcher Unfall? Mein Auto ist etwa 4 cm hinter seinem zu Stehen gekommen. Ich habe keinen Aufprall verspürt. Mein Sohn ebenfalls nicht. Es gab weder einen Aufprall, noch einen Unfall. Der Mann beharrt auf einem Unfall.
Er wühlt in seinem Auto nach einem Poliertuch für seine Stoßstange, um mir die Spuren des Unfalls zu präsentieren. Ich strenge mich an, nix! Ich sage ihm, dass es keinen Unfall gab und fahre meinen Sohn zur Schule – mein vermeintlicher Unfallgegner folgt mir. Er bleibt fest bei seiner Meinung, dass wir einen Unfall hatten und es einen Schaden zu regulieren gibt. Er will das mit seiner Werkstatt klären.

Zwei Tage später habe ich einen Kostenvoranschlag und seine Zahlungsaufforderung über schlappe 670 Euro im Briefkasten. Das Schreiben bescheinigt einen vollkommen zerstörten Stoßfänger nach einem Auffahrunfall.

Ich melde noch am selben Tag meiner Versicherung, dass diese keinesfalls zahlen soll, weil es keinen Unfall gab. Selbes gebe ich auch bei der Polizei zu Protokoll. Die Zeugenaussage meines 10-Jährigen wird im gerichtlichen Streitfall kaum Bestand haben, wird dennoch mit aufgenommen.

Mein angeblicher Unfallgegner reicht indes zivilrechtliche Klage gegen mich ein. Ich schaue noch immer erstaunt! Einmal mehr lerne ich – immer Polizei rufen. Anscheinend auch dann, wenn es keinen Unfall gab.

Die Gartensaison 2015 startet

Nun ist er da, der März. Und schon bin ich in Gedanken bei der Gartenplanung. Wie in jedem Jahr habe ich einiges vor: Ein Teich will angelegt werden, die Beete sollen mit Rasensteinen umfasst werden und der Freisitz soll mit einem schönen Holzboden versehen werden. Die Pflanzung steht soweit, da ich die letzten zwei, drei Jahre bereits Stauden gesetzt hatte, die jährlich im Arrangement optimiert werden.

Ehrlich gesagt bin ich Stammbesucher der “München blüht”-Messe. Auch wenn ich eher nicht der klassische Gärtnertyp bin, kann ich nicht umhin, über die jährlichen Neuzüchtungen zu staunen. Insbesondere die Zusammenstellung verschiedener Pflanzfarben und -höhen in Beeten bestaune ich dort alljährlich. Trotz vieler Versuche ist mir das, was dort so ungezwungen und leicht wirkt, immer noch nicht gelungen. Klar, die Großen nach hinten und die Kleinen vorn – aber selbst das klappt in der Umsetzung nicht immer. Meine Beete glänzen entweder durch zu viel Erde zwischen den einzelnen Pflanzen oder aber die Pflanzen wachsen ineinander. Das Maß der Dinge habe ich noch nicht gefunden.

Das Maß der Dinge beschäftigt mich gartentechnisch überhaupt. Während in meiner Nachbarschaft die als englisch zu bezeichnenden Rasenfläche mit hölzernen Windmühlen, kunstvoll zu Schwänen geformten und mit Stiefmütterchen bepflanzten Altreifen oder Fußballtrikot-tragenden Gartenzwergen dekoriert werden, ist mein Rasen durchzogen von Moosflechten und abgewetzten Stellen dank meiner Fußballerjungs.

Doch ganz ehrlich – welche Funktion erfüllt ein Garten? Bei mir dient er der Freizeitgestaltung. Dazu gehört für mich in erster Linie mit den Kindern spielen, Gartenfeste am Grill feiern und im Kreise der Liebe entspannen. Um das zu ermöglichen, widme ich mich gern der notwendigen Gartenarbeit, ohne dabei aber zum Diener meines Grüns zu werden. Bedienen lass ich mich hingegen gern: In diesem Jahr sollten sich einige Obststräucher und zumindest die Walderdbeeren so gut vermehrt haben, dass meine Frau mir daraus ein leckeres Törtchen zaubern kann.

öffentlich-rechtliches Radio sendet an Zielgruppe und an mir vorbei

Gestern habe ich in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über die Jugendradioprogramme der öffentlich-rechtlichen gelesen. Tenor war, dass “diese an der Zielgruppe vorbei senden” (zum Artikel).

Dazu kann ich nur sagen, nicht nur die! Auch viele andere öffentlich-rechtliche Radioprogramme sind einfach nur zum ausschalten. In meinem bisherigen Berufsleben habe ich mich schwerpunktmäßig in drei Bundesländern bewegt: NRW, Hessen und Bayern.

In NRW macht der WDR das noch mit Abstand am besten. WDR 2 hat einen guten Mix aus redaktionellen Inhalten und gerade noch hörbarer Musik. Die Musik ist natürlich schon dem breiten Publikum entsprechend, dabei aber selten beliebig. Bei den redaktionellen Inhalten profitiert das Radioprogramm einfach von der starken Infrastruktur des WDR. Diverse Außenreporter und Studiogäste heben die Sendungen auf ein unterhaltsames Niveau. 1live richtet sich primär an jüngere Hörer, weil aber nicht so schrill wie andere, kann der Sender auch von über 30jährigen ohne Ohrenschmerz gehört werden.

Letzteres geht dem Hessischen Rundfunk (hr) komplett ab. Wer das Pech hat und in dem Sendebereich wohnt und keine digitalen Alternativen z.B. im Auto besitzt, der kann einem Leid tun. Fast unhörbar ist zum Beispiel der Sender hr3. In meiner Jugend in den 80er und 90er Jahren habe ich noch sehnsuchtsvoll nach Hessen geblickt, wo deren Hörer regelmäßig der h33-Clubnacht mit angesagten DJs aus Frankfurt lauschen konnten. Im WDR gab es in den 80ern nur Mal Sondocks Hitparade. Von der alten Sehnsucht ist leider nichts mehr übrig geblieben. Redaktionelle Beiträge, die diesen Namen Wert sind, gibt es kaum. Die Musikredaktion scheint sich nahe dem Renteneintritt zu bewegen – komplett unambitioniert (Link zur aktuellen Playlist). Krass ist die Out-of-Home Werbung für hr3, die einem im Sendegebiet häufig an Lifasssäulen begegnet: da ist dann ein Typ zu sehen, der frühmorgens im Bad total ausflippt, weil die Musik so unglaublich geil ist. Tatsächlich läuft dann “We Don’t Need Another Hero” von Tina Turner oder “Boys of Summer” von Don Henley. hr1, also das Gegenstück zu WDR2, hat zwar immerhin etwas gehobenere redaktionelle Beiträge, ist dafür aber komplett musikbefreit – zumindest von hörbarer.

Jetzt in Bayern angekommen, macht Radiohören endlich wieder Spaß! Zwar immer noch nicht im öffentlich-rechtlichen (zwar etwas besser als der hr), dafür aber im Privatfunk. Der Sender heisst egoFM – für Musikentdecker. Die Musikauswahl ist wirklich top und weit weg von dem, was die findigen Musiklabels normalerweise den Mainstreamsendern aufs Auge drücken. Wo Licht ist, muss normalerweise auch Schatten sein. Normalerweise bei den Privaten in Form von nervigen Jingles und aufgringlichen Werbeblöcken. Nicht so bei egoFM, hier kommt kaum Werbung und wenn nur kurz. Keine Ahnung, wie die sich finanzieren. Kann jedem empfehlen, hier mal reinzuhören (aktuelle Playlist).

Entscheidungsfindung

Kennt ihr das? Es steht eine wichtige Entscheidung an, die eine große Tragweite hat, vielleicht sogar nicht nur für einen selbst und gerade deshalb fällt es schwer zu einer Entscheidung zu kommen. Ich sitze solche Dinge gern aus. Ein Großteil an Problemen erledigt sich mit der Zeit von selbst. Entweder, weil sie ihre Wichtigkeit verlieren oder aber weil ich irgendwann meine Emotionalität in dieser Frage verliere oder abschwäche und dann klarer sehe. Einige Dinge müssen aber sofort entschieden werden, sie können nicht ausgesessen werden, weil sonst Schaden droht. Auch wenn es nicht oft vorkommt, im Moment geht es mir genau so, weswegen ich mein Methodenrepertoire erweitern muss.

Ideenmanagement ist ein Aufgabenfeld, das aus der Wirtschaft kommt, um effektiver arbeiten zu können. Beruflich machte das schon oft Sinn. Doch wer sagt, dass sich Nutzwertanalyse und Entscheidungsbilanz nicht auch auf Fragen aus dem privaten Umfeld anwenden lassen. Bisher habe ich meine Frau belächelt, wenn sie ihre Pro-/Contra-Listen zu Gesprächen anschleppte. Vielleicht ist das weniger übertrieben als ich bisher glaubte. Nachdem ich in das Thema, Jahre nach meiner entsprechenden beruflichen Weiterbildung dazu, eingestiegen bin, eröffnen sich ganz neue Felder: Mit sinnvoll aufbereiteten Pro- und Contralisten lassen sich verschiedene Meinungen empirisch festhalten und Argumente rechnerisch werten, so dass auf rein mathematischer Basis eine Lösung gefunden werden kann, die keiner als unfair bezeichnen kann – ist ja Mathematik und da zählen reine Fakten.

Dieser Aspekt überzeugt selbst rationale Menschen wie mich. Meine Frau wird den Rest des Abends in sich Hineinlächeln, denn ich vergrabe mich nun weiter in meinen säuberlich erstellten Pro- und Contralisten, um endlich eine rational begründbare und mathematisch faire Entscheidung zu treffen.

Stress-Coaching: Ist das was für mich ?

Mein Vorsatz fürs neue Jahr ist eine ganze Kugel – ich will viele Bereiche verändern: Beruflich, familiär, finanziell soll einiges passieren. Der Schlüssel zu allem ist meine persönliche Einstellung. Ich bin gestresst, ich bin genervt und das als Dauerzustand. Der kleinste Reiz genügt und ich geh an die Decke. Das ist kein Zustand, nicht für mich, nicht für meine Umgebung – kurzum, es ist mit mir nicht auszuhalten also muss ich etwas tun. Mein Schlüssel zur Lösung: Ein Anti-Stress-Coach.

Ich habe bereits vor etwa drei Wochen mit dem Coaching begonnen. Es ist gar nicht schwer den passenden Coach zu finden, denn die Krankenkasse hilft dabei. Erwiesenermaßen macht Stress krank und deshalb vermittelt die Kasse nicht nur ein entsprechendes Coaching, sondern übernimmt auch noch die Kosten.

Der Kurs besteht aus 12 Lektionen, ich habe mittlerweile die 3. abgeschlossen. In einer Selbstanalyse geht es darum zu erkennen was Stressverstärker sind und was im Gegenzug Relaxion verschafft. Soweit so gut. Die Auslöser für meinen Stress kannte ich auch schon vor dem Coaching: zu viele Aufgaben familiär und beruflich und demgegenüber zu wenig Zeit. Das wiederum verursacht wenig Zeit für Hobbies und Zeit für mich allein und schon ist kein Ausgleich mehr vorhanden und der Stresspegel steigt enorm.

Bisher hat mir das Coaching genau diese Erkenntnis bestätigt. Die Wege zur Entspannung sind zwar noch in der Erarbeitung aber mir drängt sich schon jetzt die Frage auf, was das Wissen ob dieser Momente bringt, wenn diese sich aus zeitlichen Gründen nicht in den Alltag integrieren lassen. Als Teufelskreis wird das bezeichnet. Es gilt wohl vielmehr den Teufel bei den Hörnern zu packen und aus dem Kreis zu werfen.

Ich hoffe das Anti-Stress-Coaching zeigt mir noch deutlich wer der Teufel ist und am besten auch in welche Richtung ich ihn am besten aus meinem Kreis werfe!

Urlaubsplanung

Leider ist seit dem letzten Posting in der Vorweihnachtszeit hier nicht viel passiert. Ich hatte einfach keine Zeit und Muße, den Blog zu pflegen. Jetzt aber soll es hier wieder weiter gehen.

Über dem Jahresanfang hängt die Aufforderung des Chefs die Urlaubsplanung einzureichen. Und schon ist sie eröffnet, die Schlacht um die Brückentage. Klar ist es toll, mehrere verlängerte Wochenenden zu haben. Aber wer da alles seinen Anspruch anmeldet, unglaublich! Nicht nur Jobs, sondern auch freie Tage sollten nach sozialen Punkten vergeben werden: Wer Kinder hat steht vorn dran. Ebenso der, der pflegebedürftige Angehörige zu versorgen hat.

Als angepasster Angestellter komme ich der Aufforderung des Chefs nach und habe die freien Tage damit verbracht, hin und her zu planen, wie wir unsere wenigen Urlaubstage geschickt über das Jahr verteilen, um uns vorzugauckeln, dass wir genügend Tage zur Erholung in unserem Arbeitsvertrag ausgehandelt haben.

Vier Urlaube haben wir eingeplant: Ostern, Sommer, Herbst und Weihnachten. Wie die meisten Eltern müssen die dazu passenden Reisetermine streng innerhalb der Ferien liegen. Festgelegt sind die Termine fix und auch die Genehmigung beim Chef macht mir keine Sorge. Ich nehme die Buchung dieser vier Reisen in Angriff und genau das wird zum Problem. Erstaunlicherweise sind die zeitlich am entferntest liegenden Ferien bereits ausgebucht: Weihnachten! Ich hatte gedacht meine Familie mit einem Kurztrip über ein verlängertes Wochenende in eine Weihnachtsmarkt-Metropole einzuladen. Dazu fühle ich mich schuldig, weil ich immer über den Weihnachtskommerz schimpfe. Nürnberg, Berlin, Dresden oder ein anderer, der historischen Märkte soll es werden. Auf den ersten Blick sind die bekannten Unterkünfte, denen ich mein Vertrauen schenke, bereits reserviert. Ostern sieht bereits ähnlich ausgebucht aus, ebenso der Sommer. Missmutig buche ich also ein überteuertes Ferienhaus, bevor auch dieses im kompletten Sommer rote Kästchen im Belegungskalender bekommt.

Erstaunt bin ich, dass der Herbst mir alle Möglichkeiten offen lässt und das, obwohl diese Ferien in nahezu allen Bundesländern zeitgleich liegen. Der Herbst wird also unsere Zeit: Ich kann buchen, was ich so oft vorher schon wollte und bekomme diesmal sogar eine Bestätigung – und das zum Nebensaisonpreis. Noch!

Weihnachtsstimmung – bei mir nicht

Weihnachten naht. Letzten Sonntag war bereits der 2. Advent und ich habe den “Pflichtbesuch” auf dem Weihnachtsmarkt erfüllt. In diesen Sätzen schwingt meine Abneigung schon mit; ganz ehrlich: Was gibt es auf dem Weihnachtsmarkt außer Sauferei und Fresserei? Den Eingang markiert der Stand mit der Heißen Himbi, darauf folgt die Creperie, kurz darauf – direkt neben dem lieblos platzierten Kinderkarussell, das zu Wucherpreisen die Jüngsten bespaßt – der Bratwurststand, die Käsebude, der Langos-Imbiss und der Stand mit den Brezen. Wer nicht Essen und Trinken mag – was tut der auf dem Weihnachtsmarkt?

Sicher, es war nicht die klügste Idee direkt nach dem Adventsmittagessen auf den Markt zu ziehen, aber dennoch sollte doch auch für den satten Besucher etwas geboten werden. Tierfelle sind nett anzusehen und anzufassen, aber jedes Jahr brauche ich kein neues Fell. Genauso wenig Verwendung habe ich für getöpferte Gefäße, Kunstblumen oder Holzdeko für Blumenkübel. Und unser Weihnachtsbaumschmuck (sofern ich einen Baum aufstelle) ist auch in jedem Jahr derselbe, der den übrigen Teil des Jahres in einer Kiste im Keller eingestaubt wird.

Es ist wohl wenig verblüffend, dass so keine Weihnachtsstimmung bei mir aufkommt. Immerhin grüble ich seit Sonntag was mir auf einem Weihnachtsmarkt gefallen würde und mich in festliche Stimmung versetzen könnte. Parallel keimt in mir der Verdacht, dass ich eben nicht der traditionelle Weihnachtstyp bin. Doch worum geht es traditionell betrachtet?

Ursprünglich ging es wohl darum, zu sich und seinen Liebsten zu finden, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Und wie könnte das besser geschehen als gemeinsam Zeit zu verbringen? Ich beginne damit, mich auf mich zu besinnen und habe für mich entschieden, dass ich mich dem Geschenkestress in diesem Jahr entziehe. Ich verschenke nichts Materielles, sondern gemeinsame Zeit: Für meine Kinder heißt das, sie bekommen Tickets für die kindgerechte Weihnachtsvorstellung im Theater, die wir gemeinsam besuchen werden. Und für die materiellen Wünsche der Jungs beauftrage ich die Großeltern und erspare uns allen damit die nachweihnachtliche Rennerei zum Geschenke-Umtausch.

Handy-Display austauschen

Letzten Freitag, kurz vor Wochenende, hatte ich meinen absoluten Wochentiefpunkt, gepaart mit einem Mittagstief nach einem eher weniger reichhaltigen Menü, zu dem ich mal schlicht wieder keine Zeit hatte. Dann fix noch der letzte Termin der Woche, Mantel geschnappt und auf zu nem Kunden. Und dann ist es passiert: Handy mit dem Mantel vom Tisch gefegt. Das war zwar nicht der erste Absturz, aber der erste volle Bauchklatscher. Ich dreh es um und sehe das feine Spinnennetz, das die Oberfläche ziert. Immerhin es geht noch an und funktioniert soweit, abgesehen davon, dass ich mir jetzt vielleicht die Finger beim Wischen zerschneide.

Nach meinem letzten Termin der Woche bestelle ich direkt bei einem so genannten Handy-Arzt Ersatzteile. Samstag sind diese im Briefkasten. Zum Glück liefert der Online Videokanal viele hilfreiche Videos von fähigen Leuten, denen man Schritt für Schritt auf die Finger schauen kann. Zunächst staune ich. Ehrlicherweise hatte ich gedacht, ich entferne das Glas mit Touchscreen und ersetze es und fertig. Leider wird das Smartphone-Pferd von hinten aufgesäumt und ich muss, wie ich dem Video entnehme, Schritt für Schritt alles ausbauen, was auf dem Glas liegt – also alles, wirklich alles: Unter dem Backcover liegen Akku, Vibrationsalarm, SIM-Slot und eine Reihe weiterer Dinge, die zum Teil verklebt sind. Dank Hilfsvideo lässt sich alles gut nachvollziehen und bald ist das Handy innen nackt. Display rein und alle Organe wieder eingesetzt. Anschalten. Nix passiert. Zwei Möglichkeiten: Falsch eingebaut oder neues Display kaputt. Also alles wieder raus, altes Display wieder rein. Anschalten. Funktioniert.

Neues Display also ohne Funktion. Ich reklamiere das, der Händler streitet ab, dass “sein” Display defekt ist. Das zieht sich nun sicher noch einige Wochen, und solange habe ich ein Handy mit Spiderman-App, an der ich mir die Finger zerschneide und mich ärgere zum Displaywechsel nicht direkt zum Fachmann vor Ort gegangen zu sein.

Schnürsenkel

Mir ist beim Schuhe binden der Schnürsenkel gerissen. Ein alltägliches Geschehnis, kein Problem – so dachte ich. Ab in den Laden, einen neuen Schnürsenkel besorgen. Doch das funktioniert nur in meiner Vorstellung so und schon wird aus der kleinen Alltagsepisode ein handfestes Problem: Meine Schuhe fürs Büro haben runde Schnürsenkel, klassisch in Schwarz. Die großen Supermarktketten haben alle Schnürsenkel im Sortiment, doch leider nur flache und zudem sehr breite. Wie sehen denn elegante Herrenschuhe aus blanken, schwarzen Glattleder mit breiten Schnürsenkeln aus? Wäre ich Handwerker und brauchte für meine Baustellentreter Senkel, hätte ich genügend Auswahl zu einem vernünftigem Preis.

Nachdem ich drei verschiedene Supermarktketten abgecheckt habe, bleibt mir nur der Weg zum Schuster. Dass “Zubehör” dort Apothekenpreise hat, versteht sich von selbst. Immerhin gibt es beim Schuster meiner Wahl auch runde Schnürsenkel, auch solche in Nicht-Neonfarbe.

Wer schon einmal neue Schnürsenkel gekauft hat weiß, dass diese nach Ösenanzahl im Schuh und Länge sortiert sind. Doch ist Euch schon mal aufgefallen, dass die Lochzahl und die Längenangaben nie zusammen passen? Meine Schuhe haben vier Lochpaare, ich benötige demnach 4-Loch-Senkel, die laut Packungsangabe 60cm lang sind. Glücklicherweise habe ich mich nicht auf das Löcherzählen verlassen und meine alten Schnürsenkel vermessenen: Sie sind 73,5cm lang. Auch ohne Matheprofi zu sein ist klar, dass ich mit fehlenden 13,5cm keine anständige Schleife hinbekomme; die 4-Loch-Senkel sind zu kurz, obwohl meine Schuhe 4 Löcher haben.

Für das nächste Mal habe merke ich mir: Bei gerissenen Schnürsenkeln gehe ich direkt zum Schuster und nehme am besten die Schuhe mit, um zu testen, ob der Ersatz passt. Spart Wege und Falschkäufe. Oder ich mache es wie meine Söhne und nehme direkt einen Klettverschluss.

Drachensteigen

Das Gute an München ist, dass die City umgeben von schöner Landschaft und freiem Feld ist. Also Kinder ins Auto gepackt und raus aufs Land: Drachensteigen. Die Kinder hatten sich darauf lange gefreut. Während der Kleine im Kindergarten einen selbst gebastelt hat, geht der Große auf Nummer sicher und bevorzugt ein Folienmodell mit fliegt-auch-Garantie aus dem Supermarkt.

Leine ausgerollt, Kind beauftragt den Drachen zu halten und losgerannt. Der Foliendrachen fliegt so wie er soll. Der selbst gebastelte Drache schwächelt. Alle Versuche mit alter Zeitung den Schwanz zu verlängern, die Seiten abwechselnd zu beschweren oder das Kreuz zu optimieren scheitern; der Drache ist nicht in die Luft zu bewegen. Am gekauften Modell zerrt der Wind, die kleine bunte Plastikwickel ist schon am Ende. Ich will gerade noch zugreifen, als ich sehe, wie die kleinen Finger den Kampf gegen den übermächtigen Wind verlieren und sich von der Wickel lösen. Ich bin zu spät. Der Drache kämpft sich höher und weiter und ist weg.

Das Gute an München ist, dass selbst nach einem gescheiterten Drachenflugtag genügend Angebote für Kinder vorhanden sind, so dass fließende Tränen schnell getrocknet werden können. Also ab auf den Indoorspielplatz, da pfeift auch der Herbstwind nicht so!